Corona Contact Tracing Germany

Corona Warn App ohne Google

Die Bundesregierung hat im Frühjahr 2020 einen Millionen-Auftrag an die Firmen SAP und Telekom vergeben, damit diese eine Corona-Kontaktverfolgungs-App (oder auch Corona-Warn-App) entwickeln. Das haben diese beiden Großkonzerne dann Mitte 2020 auch geschafft und die Corona-Warn-App im Google-Play-Store und im Apple-Store veröffentlicht. Das die App selbst so datenschutzfreundlich geworden ist, lag sicherlich daran, dass Institutionen wie der Chaos Computer Club und andere mit IT-Verständnis die Entwicklung mit Argusaugen beobachtet und Fehlentscheidungen gleich zu Beginn scharf kritisiert haben. Die App kann nämlich nur dann ihren Sinn erfüllen, wenn genügend Nutzer diese installieren und nutzen.

Durch eine datenschutzfreundliche Gestaltung kann man beeinflussen, dass möglicherweise mehr Menschen die App installieren und nutzen wollen. Leider wurde die App aber so entwickelt, dass sie auf eine von Google und Apple zuvor geschaffene Schnittstelle (Apple/Google exposure notification API) setzt, die vorhanden sein muss. Und hier kommt nun das Problem, dass es Smartphones gibt, die solch eine Schnittstelle nicht haben, z.B. neuere Geräte von Huawei. Der Firma wurde verboten, Software von Google auf ihren Geräten zu installieren. Und auch Geräte, auf denen nicht das originale Android von Google läuft, sondern ein sogenanntes Custom-ROM, bei dem absichtlich keine Google-Software zusätzlich installiert wurde. Bei all diesen Geräten kann die Corona-Warn-App nicht installiert und genutzt werden, weil es technisch nicht funktioniert, obwohl der Nutzer sie vielleicht gern installieren und nutzen wollte.

Und dann kam Marvin Wißfeld, der Entwickler von microG und hat im Alleingang das vollbracht, was SAP und Telekom nicht hinbekommen haben. Ein Fork der Corona-Warn-App, der die Google-Schnittstelle nicht benötigt und stattdessen einen Teil der microG-Dienste mit implementiert hat. Damit Namensrechte nicht verletzt werden, heißt sie nicht Corona-Warn-App sondern wurde Corona Contact Tracing Germany genannt und ist im freien App-Store F-Droid erhältlich:

Corona Contact Tracing Germany
Corona Contact Tracing Germany

https://f-droid.org/packages/de.corona.tracing/

Die App nutzt auf einem Smartphone, auf dem die Google-Play-Dienste installiert sind, eben diese, es gibt also technisch keinen Unterschied zur Corona-Warn-App.

Auf Smartphones, auf denen keine Google-Play-Dienste installiert sind, stattdessen aber microG, nutzt die App die microG-Dienste für die Kommunikation.

Und letztendlich, auf Smartphones, auf denen weder die Google-Play-Dienste noch microG-Dienste installiert sind, nutzt die App einen kleinen in die App selbst eingebauten Teil von microG zur Kommunikation.

Und um noch einmal die Bedenken zu zerstreuen, die ich oft von einigen gehört oder gelesen habe, NEIN, die App erfasst keine Standortdaten, auch wenn sie ohne Einschalten der Standortdienste nicht funktioniert. Aber das ist kein Fehler der App sondern eine – vorsichtig formuliert – unschöne Entscheidung von Google. Bluetooth kann prinzipiell auch zur Standorterkennung genutzt werden (Bluetooth-Beacons). Und aus diesem Grund hat Google Android so gebaut, dass der Nutzer aktiv die Standortbestimmung einschalten muss. Nun ja, solange man sich auf die anderen Apps verlassen kann, die so auf dem Telefon herumgeistern, die Corona Warn App zumindest nutzt diese Informationen nicht zur Standortbestimmung. Ob sich durch das Einschalten dieser Standort-Dienste jetzt andere Apps des Standorts bedienen, muss jeder für sich entscheiden. Ich bin bei meinen Apps, die fast ausschließlich aus F-Droid stammen, sehr sicher, dass die alle brav sind.

Nun kann man sich also solidarisch zeigen, und durch Nutzung dieser App im Fall des Falles seinen Kontaktpersonen anonym mitteilen, dass man leider positiv getestet wurde.

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