Ich habe nichts zu verbergen!?

Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden wissen wir, wie weitreichend das Internet von Geheimdiensten überwacht wird. Die Datenkraken wie Google und Facebook und wie sie alle heißen, sind da noch nicht mal berücksichtigt.

„Wir lieben Überwachung“ – Alexander Lehmann

Das Argument „Ich habe nichts zu verbergen!“

Oftmals hört man von Mitmenschen, dass sie sich bewusst wären, dass alles mögliche überwacht und gesammelt wird, man aber erstens nichts dagegen tun könne und zweitens, dass man ja nichts zu verbergen hätte.

Erstens glaube ich, dass den meisten nicht einmal ansatzweise klar ist, wann sie überwacht werden und welche Informationen über sie gesammelt werden. Überwachung und Preisgabe der Privatsphäre ist im digitalen Bereich so gut wie unsichtbar.

Zweitens wurden die meisten Mitmenschen in unserer Gesellschaft darauf konditioniert, dass Geheimhaltung irgendetwas mit Kriminalität oder Ähnlichem zu tun habe. Aber: Ich gehe davon aus, dass jeder hier eine Wohnung hat, die er mit einer Wohnungstür verschließt. Warum? Gibt es da etwas, was zu verbergen wäre? Oder geht es eher darum, zu kontrollieren wer und wann jemand diese Wohnung betritt? Nicht allen Mitmenschen in der Umgebung kann und sollte man pauschal vertrauen. Guten Freunden oder Bekannten öffnet man die Wohnungstür und lässt sie herein. Andere nicht. Genau deshalb ist die Tür verschlossen.

Abfluss von Daten verringern/verhindern

Nichts anderes ist das in der digitalen Welt. Man sollte kontrollieren können, wer die Informationen erhält. Und das kann man zum Beispiel mit Verschlüsselung erreichen. Und deswegen verschlüssele ich meine E-Mails (sofern der Empfänger das unterstützt, und das sind leider immer noch die wenigsten) schon seit Ewigkeiten mit PGP bzw. seit langem mit der Open-Source-Alternative GPG.

GnuPG-Logo

Und deswegen nutze ich seit jeher nur Ende-zu-Ende-verschlüsselnde Messenger. Und weil dann trotzdem noch jede Menge Meta-Daten anfallen, nutze ich kein WhatsApp und auch keine anderen Blasen-Messenger (Stichwort „Walled Garden“) wie Threema oder Signal sondern Conversations (siehe eigener Artikel),

Conversations-Logo

XMPP-Logo

 

welches den offenen XMPP-Standard nutzt.

 

Und ich versuche Datenkraken wie Google so gut es geht aus dem Weg zu gehen. Ich nutze Startpage (nur noch selten), metager.de oder auch searx.me als Suchmaschinen. Wie man diese installiert und ändert habe ich im Beitrag Standard-Suchmaschine ändern beschrieben.  Aus dem Google PlayStore lade ich nichts mehr.

Alles was man wirklich braucht, gibt es im F-Droid-AppStore

F-Droid-Logo

in einer datenschutz-freundlicheren Variante. Alle Apps in diesem App-Store sind Open-Source und werden wenn möglich, von unnötigen und Datenschutz-missachtenden Funktionen befreit. Und falls es doch mal eine App aus dem Google PlayStore sein muss, dann lade ich sie über den Yalp-Store ohne einen Account bei Google haben zu müssen.

Statt Google Maps nutze ich OpenStreetMap (als Stadtplan oder um Routen zu planen) und OsmAnd (zum Navigieren)

OSMAnd-Logo

oder auch maps.metager.de/map.

Ich nutze kein Microsoft Office sondern Libre Office.LibreOfficeAls E-Mail-Programm verwende ich kein Microsoft Outlook sondern Mozilla Thunderbird.thunderbird-logoAls Web-Browser nutze ich Mozilla Firefox.

firefox-logo

Der nächste Schritt den ich gehen werde den ich Anfang Mai 2017 gegangen bin, ist Microsoft Windows den Rücken zu kehren (siehe auch mein Beitrag Der Abschied von Windows steht direkt vor der Tür). Das nächste Betriebssystem wird wurde eine Linux-Distribution sein (vermutlich Ubuntu). TuxUbuntu-Logo

 

 

Und mein Smartphone läuft nicht mit dem üblichen Android sondern mit CyanogenMod (inzwischen gibt es einen Nachfolger LineageOS).

Lineage-Logo

Und weil es dann immer noch Schnüffel-Apps geben könnte, habe ich noch XPrivacy im Einsatz.

X-Privacy-Logo

Ich gebe zu, die Einrichtung all dieser Programme muss man selbst vornehmen und kosten Zeit und manchmal auch Eingewöhnung und manche Apps bieten weniger Komfort als die Google- oder Microsoft-Pendants, aber das ist mir meine Privatsphäre einfach wert. Früher gab es keine E-Mails oder Messenger. Wenn man etwas privates zu besprechen hatte, schrieb man einen Brief, den man selbstverständlich zugeklebt hat oder man traf sich hinter der Scheune, um etwaige Lauscher zu vermeiden. In der digitalen Welt ist die private Kommunikation möglich, aber sie ist leider nicht der Normalfall und viele nutzen die Möglichkeiten einfach nicht. Aus Unwissenheit oder einfach aus Faulheit (vornehmer ausgedrückt könnte man auch sagen: aus Bequemlichkeit).

Anfangen und Mitmachen! Dreht den Datenhahn zu!

Auf der Webseite prism-break.org/de werden viele Alternativen zu proprietären Programmen aufgeführt, die die Privatsphäre schützen. Seht selbst, ob ihr nicht die eine oder andere Software von eurem Rechner/Smartphone verbannt und gegen etwas besseres ersetzen könnt. Welche Apps ich auf meinem Smartphone einsetze, habe ich im Beitrag Alternativen für Apps aus dem Google Play Store erläutert.